Wechsel von FHEM zu IP-Symcon

Lange ist der letzte Beitrag zum Thema Haussteuerung her, unterdessen hat das von mir entwickelte FHEM Frontend großen Anklang gefunden. Damit einhergehend stiegen natürlich auch die Ansprüche seitens der Community. Damit erhöhte sich der damit verbundene Aufwand meinerseits für die Entwicklung und die Tests, sodass ich mich gerne an die Community mit der Bitte um Unterstützung gewand habe. Leider war quasi niemand bereit sich an dem Projekt zu beteiligen, so dass ich mich am Ende dazu entschieden habe die Entwicklung am Frontend komplett einzustellen. Der Sourcecode liegt unterdessen auf Github und wartet darauf, dass sich jemand dessen annimmt. Eventuell Forke ich das Projekt auch und binde den Socket an die neue Automatisierung an – mal sehen.

Was kommt als nächstes ?
Die Frage habe ich mir selbst oft gestellt, habe viele Lösungen zur Hausautomatisierung unter die Lupe genommen. In der Endauswahl standen für mich Loxone oder IPSymcon.

Die Basisversion von IP-Symcon kostet 99,99 Euro dem entgegen stehen 493,85 Euro für einen Loxone Homeserver. Außerdem bietet IPSymcon an, dass System mittels der Programmiersprache PHP zu erweitern. Loxone verfolgt hier ein ganz anderes Konzept, welches sicher auch sehr interessant ist für Personen die sich eher in der Elektronik als in der Programmierung zuhause fühlen. Loxone Systeme werden mittels eines Logik Baukastensystems programmiert, d.h. man zieht sich innerhalb einer GUI beispielsweise UND, ODER Gatter oder Zählbausteine zur Hilfe und verbindet diese zu einer Gesamtschaltung die dann gewisse Dinge tun kann.

Ich habe zwar gelernt mittels Logikbausteinen Schaltungen aufzubauen, jedoch bin ich aus dem Thema seit über 18 Jahren raus und bewege mich deutlich sicherer auf der Seite der Programmiersprachen. Aus diesem Grund, und natürlich auch von den Anschaffungskosten, habe ich mich für IP-Symcon als Hausautomatisierungslösung unserer Wahl entschieden.

IP-Symcon ist nun seit gut einem halben Jahr bei uns im Einsatz und wird stetig erweitert und gewinnt zu meiner Freude immer mehr Akzeptanz bei meiner Frau die langsam aber sicher die Sinnhaftigkeit einer solchen Lösung erkennt :)

Klar ist auch, dass eine „fertige“ Lösung wie IP-Symcon weniger anpassungsfähig als ein selbst gebautes Frontend ist, aber es gibt die Möglichkeit das Frontend mittels einem eigenen Skin und CSS Techniken zu verschönern. Wem das nicht ausreicht, gibt es eine Software namens IPSView welche an IPSymcon andockt und mittels einem WYSIWYG Editor ganz schicke Gestaltungsmöglichkeiten für die Oberfläche bereitstellen. IPSView ist optional, allerdings habe ich diese kurz nach der Anschaffung gekauft und damit etwas herum experimentiert. Ich bin noch unsicher, ob ich lieber das mitgelieferte Webfrontend oder IPSView auf den Terminals im Haus einsetzen möchte.

Leider bietet IP-Symcon in der Basic Version nur die Möglichkeit ein Webfrontend zu haben, oftmals ist es ja so, dass man auf den unterschiedlichen Terminals ein auf der jeweiligen Auflösung angepasstes Frontend anzeigen möchte. Hier bietet IPSymcon eine Professional Version hat die dies neben einigen anderen coolen Features ermöglicht. In der Professional Version wird die maximale Variablenanzahl von 200 auf 1000 angehoben, was auch sehr praktisch ist. Leider ist die Anschaffung von 249,99 Euro nicht gerade günstig, ein Update von Basic auf Professional schlägt mit 179,99 Euro zu Buche.

Auf Kurz oder Lang war klar, die Professional muss her. Also erledigte ich das Upgrade kürzlich und bin nun auch mit den Webfrontend recht happy. Warum ? Nun in der Professional Version kommt auch ein Editor mit, mit dessen man nun auch die Seiten in Bereiche einteilen kann und so die Informationen übersichtlicher präsentieren kann.

Die Aktoranbindung (aufmerksame Leser wissen ja dass ich bisher nur Aktoren von Homematic einsetze) ging ebenfalls absolut unproblematisch über die Bühne. Es verrichtet bisher alles ohne großes Tamm Tamm seine Dienste sehr zuverlässig.

Aus diesem Grund wird es künftig wieder mehr zum Thema Hausautomatisierung von mir an dieser Stelle geben, nur eben nicht mehr mit dem Fokus auf FHEM sondern auf IP-Symcon.

Auch den einen oder anderen Basteltip möchte ich in naher Zukunft für euch bereitstellen, denn nicht immer muss man teure Sensoren oder Aktoren von der Stange kaufen. Nicht selten gibt es auch keine Komplettlösung am Markt, wo man am Ende einfach nicht drum herum kommt selbst etwas zu basteln.

Ihr dürft also gespannt sein!

 

Allgemeines zu Homematic, FHEM und co.

Ich dachte mir, ich versorge euch mal mit etwas Informationen zum Thema FHEM und Homematic, und speziell dem HMLAN von Homematic.

Homematic ist eine Produktlinie des Herstellers eq-3. Dieser wiederum ist eine Tochtergesellschaft der ELV Gruppe. Worüber man übrigens auch ganz einfach die Homematic Produkte beziehen kann.

FHEM ist ein OpenSource Projekt Initiiert durch Rudolf König. FHEM wird in meinem Fall eingesetzt als Ersatz zur Homematic Zentrale (CCU/CCU2 genannt). Durch FHEM ist es möglich Aktoren Herstellerübergreifend einzusetzen. Auch mit Eigenbau-Lösungen kann FHEM umgehen, falls nicht, könnte man sich das entsprechende Modul dazu selbst programmieren. FHEM ist weitestgehend in der Programmiersprache Perl geschrieben.

Die CCU/CCU2 von Homematic ist ebenfalls ein tolles Produkt und richtet sich an diejenigen welche ausschließlich Homematic Aktoren und Sensoren einsetzen möchten und natürlich an jenige die ohne Programmierkenntnisse auskommen können. Wenn dann Abhängigkeiten können auch hier gebildet werden.

Aktoren, Sensoren – was erzählt er da ? Nun, lasst mich das Thema ganz kurz oberflächig anreißen und erklären:
Aktoren sind Geräte die Dinge steuern können, wie z.B. ein Heizungsthermostat, Jalousien oder ganz trivial das Licht.
Sensoren hingegen sind Geräte die ihre Umwelt wahrnehmen können und in definierten Zuständen an die Zentralsteuerung (CCU/CCU2 oder FHEM) weitergeben.
Es gibt allerdings auch Aktoren die gleichzeitig Sensoren verbaut haben. Einer davon ist beispielsweise das Homematic Wandthermostat HM-TC-IT-WM-W-EU. Dieses kann weitere Aktoren ansteuern (Stellmotoren z.B.) und misst parallel die Temperatur, Luftfeuchtigkeit im Raum. Tolle Sache, in einem späteren Beitrag gibt es zu diesem Aktor mehr.

Da die Sensoren und Aktoren oftmals (so auch in meinem Fall) per Funk ihre Befehle bekommen oder die Zustände an die CCU oder FHEM melden, muss dazu eine Empfangseinheit her. Wenn man die CCU verwendet braucht man nichts weiter, diese hat eine sogenannte Bridge gleich eingebaut.
In meinem Fall benötige ich aber eine externe Bridge. Hier gibt es diverse Möglichkeiten sich auszustatten, wenn man so wie ich zunächst nur Homematic einsetzt kann man sich einen sogenannten Konfigurationsadapter zulegen, den HM-CFG-LAN oder HM-CFG-USB. Ich habe mich für den LAN Adapter entschieden, weil ich ohnehin fast überall Netzwerkdosen verbaut habe und zum anderen mein Rechner für die Haussteuerung im Serverrack im Keller steht => da würde der USB Adapter keinen Sinn machen.

So sieht der HM-CFG-LAN aus:

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Falls man Herstellerübergreifend Funkaktoren einbinden möchte z.B. FS20, Intertechno (Baumarkt) schaut im Onlineshop von Busware vorbei. Dort könnte der CUL433, CUL oder CUNO etwas für euch sein. Diese sprechen neben dem Homematic Funkprotokoll BidCoS auch weitere Funkprotokolle. Der CUL433 funkt außerdem auf der Frequenz von 433MHz sodass günstige Baumarkt Steckdosen angesteuert werden können. Homematic, FS20 und co. funken hingegen auf 868MHz.

Mittels dem Konfigurationsadapter HM-CFG-LAN ist es nun möglich, Homematic Aktoren und Sensoren zu paaren und über FHEM zu steuern.
Zunächst muss jedoch über die aktuelle Usersoftware für den LAN (oder auch USB Adapter) Adapter die AES Verschlüsselung deaktiviert werden und am Besten vergibt man in diesem Zuge auch gleich eine feste IP-Adresse.
Anschließend kann der Konfigurationsadapter in die FHEM Konfiguration aufgenommen werden:

Wichtig ist das bei der zweiten Zeile, wo im Beispiel ‚ABCDEF‘ steht ein Schlüssel eingetragen wird. Dieser Schlüssel sorgt dafür, dass kein anderer Konfigurationsadapter in der Nähe z.B. von eurem Nachbarn auf eure Homematic Geräte zugreifen kann. Dieser Schlüssel ist ein 3-Byte hexadezimaler Wert, also ein 6-Stelliger Code wo jede Ziffer Zahlen von 0 bis 9 oder einen Buchstaben von A bis F einnehmen kann.

Nun seid ihr Bereit eure Homematic Geräte mit dem Konfigurationsadapter und FHEM zu paaren.

Das Paaren geht ganz einfach:

  • In FHEM den Konfigurationsadapter in den Paarungsmodus versetzen eingeben.
  • Den Config Taster am Homematic Gerät kurz drücken.
  • Das Homematic Gerät wird nach einem Refresh der FHEM Seite angezeigt.

Ich hoffe ich konnte euch die Materie etwas näher bringen und euch eventuell auch etwas Appetit auf Homematic mit FHEM machen.

Daniel